Martin Gester, der bedeutende Barock-Spezialist aus Frankreich ist am 2. April 2017 zu Gast in Oberkirchs Familien-Konzertreihe 'Musik erleben. Verstehen'.

Simon Moser traf den Dirigenten und Cembalisten in einem Café in Strasbourg

Simon Moser und Martin Gester (r) bei den Vorbereitungen zum Familienkonzert.

Martin Gester lehrt an der Académie Supérieure de Musique und dem Konservatorium in Strasbourg. Er gibt Meisterkurse in vielen Ländern der Welt und ist Gründer des Opernateliers Génération Baroque, in dem junge Sänger und Instrumentalisten erste Erfahrung in der musikalischen und szenischen Umsetzung barocker Musik machen. Martin Gester trägt den Titel Chevalier des Arts et Lettres sowie die Verdienstorden der Kultusministerien von Frankreich und Polen.

Als Dirigent und Cembalist ist Martin Gester international unterwegs. Seine Leidenschaft: Musik des Barock und der frühen Klassik. Mit rund 40 CD-Einspielungen ist er auf dem Musikmarkt in diesem Segment markant vertreten. Bei seinen Konzerten zwischen USA und Japan genießt er mit seinen spezialisierten Ensembles vielbeachtete Erfolge.

 

Zum erstenmal ist er nun mit einer internationalen Auswahl an jungen Sängern und Musikern zu Gast in der Mediathek Oberkirch. Für sein Ensembles Génération baroque ist es das erste Familienkonzert dieser Art und das wird sicher spannend und ungewöhnlich.

 

In Strasbourg sprach Simon Moser mit Martin Gester über sein Leben und seine Freude an barocker Musik.

 

Herr Gester, was treibt Sie an bei ihrem Engagement um barocke Musik ?

Bei meiner musikalischen Arbeit bin ich immer neugierig, gerade nicht so bekannte Werke bieten überraschende Schönheiten, die oft im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit gerieten und für die ich im heutigen Musikbetrieb eine Lanze brechen möchte. Dabei hinterfrage ich gern Traditionen, Gewohnheiten, Etabliertes und gehe gern abseits üblicher Programmgestaltungen.

 

...ein kritischer Kopf also?

Sicher auch,

 

oder besser ein ganz eigener ...

das trifft es ganz gut. Ich denke, vor allem eine sehr eigene Mischung aus Dirigent, Musikforscher, Tastenmusiker und Lehrer.

 

Wie sind Sie denn, so vielseitig, überhaupt zu Musik gekommen?

Über den Gesang, dann zur Orgel und zum Cembalo, ich habe dann Musik und Literatur an der Universität und am Konservatorium in Strasbourg studiert.

 

.. und wann Ihr erstes Ensemble gegründet?

Also das war 1990, Le Parlement de Musique, ein Ensemble, das sich ganz auf barockes und klassisches Repertoire spezialisiert hat. Wir sind damit international rech schnell gefragt gewesen, haben viele CD's eingespielt und sind weltweit unterwegs.

 

 


Nun ist das sicher nicht Ihr einziges Ensemble mit dem Sie arbeiten?

Da haben Sie recht. Das New York Collegium, das Collegium Vocale Gent, die Chapelle Royale, die Nederlandse Bachvereniging, die Camerata Antiqua de Curitiba und noch einige andere Orchester mehr gehören dazu.

 

Ihre Einspielung von Händels op. 6 und Telemanns "Ouvertures Pittoresques" bei BIS mit dem polnischen Barockorchester Arte dei Suonatori wurde hochgelobt ...

Ja, das freut einen natürlich. Ich arbeite seit 1998 sehr eng mit diesem Orchester zusammen, ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Aufführung und Einspielung barocker Concerti, Vokalwerke und auch Werke der Frühklassik, etwa von C.P.E. Bach und Joseph Haydn. Aber natürlich liebe ich auch Vespern von Monteverdi oder klassische Sinfonien und Opern. Wissen Sie, mir ist es wichtig, starre Grenzen zwischen historischer Aufführungspraxis und heutiger moderner Auffasungen aufzubrechen.

 

Da hilft ihnen sicher ihre Praxis als ausübender Musiker?

Ohne Frage, ich spiele ja als Solist, als Kammermusiker und das an Orgel, Cembalo oder Hammerflügel. Dadurch kenne ich die technischen und klanglichen Möglichkeiten dieser Instrumente und auch die damit verbundenen früheren Klangvorstellungen. Das fließt in meine Interpretationen direkt ein. Natürlich auch meine Liebe zum Gesang, ich sagte ja, ich bin über den Gesang zur Musik gekommen und ich arbeite unheimlich gern mit Sängern zusammen.

 

Was sind denn Ihre nächsten musikalischen Projekte?

Im April werden Cembalowerke von Jacques Duphly erscheinen, zudem in nächste Zeit Aufnahmen von Orgelkompositionen von Nicolas de Grigny und Werke von Johann Schobert auf dem Hammerflügel. Ja und nicht zu vergessen ein Familienkonzert in Oberkirch, so etwas habe ich tatsächlich in dieser Art noch nicht gemacht. Ich bin sehr gespannt.

 

Darauf freue ich mich schon sehr, finde es toll, dass Sie sich darauf einlassen und danke Ihnen für das Gespräch.

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